Ernst Franz Vogelmann-Stiftung feiert Jubiläum
Seit 25 Jahren Förderung von Kunst und Bildung

Heilbronn, 14.07.2021 – Auf ihr 25-jähriges Bestehen blickt die Ernst Franz Vogelmann-Stiftung zurück. Die 1996 von dem Heilbronner Unternehmer und Kunstmäzen Ernst Franz Vogelmann (1915 – 2003) gegründete Stiftung fördert die Städtischen Museen Heilbronn, Studierende der Hochschule Heilbronn mit Auslands- und Deutschlandstipendien sowie das Katholische Freie Bildungszentrum St. Kilian Heilbronn. Seit 2007 lobt die Stiftung gemeinsam mit den Städtischen Museen den Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur aus. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Jahr 2020 zum fünften Mal vergeben. „Der Preis hat sich binnen kurzer Zeit zu einer der bedeutendsten Auszeichnungen für Skulptur im deutschsprachigen Raum entwickelt“, sagt Museumsdirektor Dr. Marc Gundel. Der Preis und die fünf national und international renommierten Preisträger/innen sind ein Schwerpunkt der Jubiläumsbroschüre, welche die Stiftung aktuell herausgegeben hat und in der User der Homepage www.vogelmann-stiftung.de auch digital blättern können.

Der Stifter hat die Entwicklung Heilbronns als Skulpturenstadt mitbegründet, die nach ihm benannte Stiftung führt dieses Anliegen fort. 2007 erwarb sie ein Konvolut mit Multiples und Auflagenobjekten von Joseph Beuys und gab es als Dauerleihgabe an die Städtischen Museen Heilbronn. Den Bau der Kunsthalle Vogelmann unterstützte sie 2010 mit einem Bauzuschuss in Höhe von einer Million Euro. Auf mehr als 3,3 Millionen Euro summierte sich die Förderung von Kunst und Bildung durch die Stiftung in den vergangenen 25 Jahren.

Ein Großteil der vom Stifter erworbenen bzw. bezuschussten Skulpturen ist derzeit und noch bis zum 29.August 2021 im Museum im Deutschhof ausgestellt. Im Sommer zeigen die Städtischen Museen in der Kunsthalle Vogelmann „Ein Woodstock der Ideen – Joseph Beuys, Achberg und der deutsche Süden“, auch mit Multiples und Grafiken, die Teil der Dauerleihgabe sind. Im Spätsommer wird ein Kunstprojekt der letztjährigen Vogelmann-Preisträgerin AyşeErkmen am und im Neckar platziert. Im Dezember eröffnet in der Kunsthalle Vogelmann aus Anlass des Stiftungsjubiläums die Glasskulpturen-Ausstellung „Fragile! Alles aus Glas – Grenzbereich des Skulpturalen“, unter anderem mit den Glasarbeiten des Ernst Franz Vogelmann-Preisträgers Thomas Schütte.

Ayşe Erkmen erhielt 2020 den
Ernst Franz Vogelmann-Preis

Die in Berlin und Istanbul lebende Bildhauerin Ayşe Erkmen erhielt in diesem Sommer den Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur 2020. Durch die Auszeichnung würdigte die Jury Ayşe Erkmen als eine äußerst wandlungs- und ideenreiche Repräsentantin der zeitgenössischen Kunst mit einem weitgefassten Skulpturenbegriff. Mit dem Preis war die Einzelausstellung EINS,ZWEI, DREI in der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn verbunden, die bis 1. November 2020 dauerte. Im Jahr 2021, dem Jahr des 25. Bestehens der Stiftung, hoffen Städtische Museen und Vogelmann-Stiftung, im Heilbronner Stadtraum ein Kunstwerk Ayşe Erkmens zeigen zu können.

Seit mehr als vier Jahrzehnten sorgt die international viel beachtete Künstlerin (*1949 in Istanbul) mit ihren vorwiegend ortsbezogenen Arbeiten immer wieder für Überraschungen. Dabei verfolgt sie bewusst keinen wiedererkennbaren Stil. Die spezifischen Eigenheiten eines Ortes reflektiert sie im jeweiligen Kontext: mal historisch-institutionell, mal gesellschaftlich–kulturell. Erkmens künstlerische Interventionen zeichnen sich der Jury zufolge durch einen „[…] besonderen Findungsreichtum aus und faszinieren im Einsatz oft äußerst sparsamer Mittel zugleich durch ihre Komplexität.“

Die an der Kunstakademie Mimar Sinan in Istanbul ausgebildete Künstlerin kam 1993 als DAADStipendiatin nach Berlin. Nach Gastdozenturen an der Gesamthochschule Kassel und der Städelschule in Frankfurt lehrte sie von 2011 bis 2015 als Professorin für Bildhauerei an der Kunstakademie Münster. 1997 und 2017 nahm sie an den „Skulptur.Projekten“ in Münster teil sowie an der II., III. und XIII. Istanbul Biennale. 2011 vertrat sie die Türkei auf der Biennale in Venedig.

„Ich versuche stets, den simpelsten Weg in die Situation zu finden und gleichzeitig so viel wie möglich zu sagen, wenn auch sehr still.“
(Ayşe Erkmen im ART-Magazin 2017)
Porträt Ayşe Erkmen Courtesy the artist

 

One Man House auf der Inselspitze

Im April 2019 wurde in Heilbronn das One Man House des Vogelmann-Preisträgers Thomas Schütte eröffnet. Knallig rot und zentral auf der Inselspitze gelegen, präsentiert es sich selbstbewusst dem Publikum und ist zu einem beliebten Fotomotiv avanciert. Es ist eine kunstvolle Ergänzung zum neuen Stadtquartier Neckarbogen, das nach der Bundesgartenschau (2019) nun weiter erschlossen wird. Der Stadt Heilbronn bot sich die einmalige Chance mit dem Kunst-Haus des Vogelmann-Preisträgers das Bauen auf eine künstlerische und vielleicht auch etwas humorvolle Weise neu zu betrachten. Zielsicher hatte sich der Künstler für den Standort Inselspitze entschieden. Das Haus vereint zwei Dinge: Es spiegelt Atelier und ruhigen Rückzugsort wieder, und der Besucher kann durch das markante Rundfenster die Außenwelt beobachten. Das Rundfenster als prägendes Gestaltungselement weckt Assoziationen an eine Kamera oder – passend zum Standort auf der Neckarinsel – Schiffskajüte. Das One Man House war im Sommer 2020 an den Wochenenden wieder für Besucher geöffnet.

 

Deacon-Skulptur am Neckarufer

„Reef“ ist die neueste Außenskulptur des britischen Bildhauers und Ernst Franz Vogelmann-Preisträgers Richard Deacon. Seit dem 24. Mai steht die eigenwillige Formation aus Edelstahl am Neckarufer nahe der Anlagestelle gegenüber dem Marra-Haus und in Sichtweite vom One Man House des weiteren Vogelmann-Preisträgers Thomas Schütte. Ein äußerst passender Standort für ein Werk, das bereits in Planung war, bevor die Aufstellungsfläche überhaupt feststand. Umso eindrucksvoller wie sich das Werk in die Situation einfügt und damit seinen Bezug zum Wasser, zum Neckar manifestiert. Schon der Titel „Reef“, zu Deutsch „Riff“, stellt diese Nähe her. Die großvolumige Wellenformation spricht für sich selbst.