Ayşe Erkmen erhält 2020 den
Ernst Franz Vogelmann-Preis

Heilbronn, 16. September 2019. Die in Berlin und Istanbul lebende Bildhauerin Ayşe Erkmen erhält den Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur 2020. Durch die Auszeichnung würdigt die Jury Ayşe Erkmen als eine äußerst wandlungs- und ideenreiche Repräsentantin der zeitgenössischen Kunst mit einem weitgefassten Skulpturenbegriff. Mit dem Preis ist eine Einzelausstellung in der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn verbunden. Die Preisvergabe findet im Rahmen der Ausstellung im Sommer 2020 statt.

Seit mehr als vier Jahrzehnten sorgt die international viel beachtete Künstlerin (*1949 in Istanbul) mit ihren vorwiegend ortsbezogenen Arbeiten immer wieder für Überraschungen. Dabei verfolgt sie bewusst keinen wiedererkennbaren Stil. Die spezifischen Eigenheiten eines Ortes reflektiert sie im jeweiligen Kontext: mal historisch-institutionell, mal gesellschaftlich–kulturell. Erkmens künstlerische Interventionen zeichnen sich der Jury zufolge durch einen „[…] besonderen Findungsreichtum aus und faszinieren im Einsatz oft äußerst sparsamer Mittel zugleich durch ihre Komplexität.“

Die an der Kunstakademie Mimar Sinan in Istanbul ausgebildete Künstlerin kam 1993 als DAADStipendiatin nach Berlin. Nach Gastdozenturen an der Gesamthochschule Kassel und der Städelschule in Frankfurt lehrte sie von 2011 bis 2015 als Professorin für Bildhauerei an der Kunstakademie Münster. 1997 und 2017 nahm sie an den „Skulptur.Projekten“ in Münster teil sowie an der II., III. und XIII. Istanbul Biennale. 2011 vertrat sie die Türkei auf der Biennale in Venedig.

„Ich versuche stets, den simpelsten Weg in die Situation zu finden und gleichzeitig so viel wie möglich zu sagen, wenn auch sehr still.“
(Ayşe Erkmen im ART-Magazin 2017)
Porträt Ayşe Erkmen Courtesy the artist

 

One Man House auf der Inselspitze

Im April 2019 wurde in Heilbronn das One Man House des Vogelmann-Preisträgers Thomas Schütte eröffnet. Knallig rot und zentral auf der Inselspitze gelegen, präsentiert es sich selbstbewusst dem Publikum und ist zu einem beliebten Fotomotiv avanciert. Es ist eine kunstvolle Ergänzung zum neuen Stadtquartier Neckarbogen, das nach der Bundesgartenschau weiter erschlossen wird. Der Stadt Heilbronn bot sich die einmalige Chance mit dem Kunst-Haus des Vogelmann-Preisträgers das Bauen auf eine künstlerische und vielleicht auch etwas humorvolle Weise neu zu betrachten. Zielsicher hatte sich der Künstler für den Standort Inselspitze entschieden. Das Haus vereint zwei Dinge: Es spiegelt Atelier und ruhigen Rückzugsort wieder, und der Besucher kann durch das markante Rundfenster die Außenwelt beobachten. Das Rundfenster als prägendes Gestaltungselement weckt Assoziationen an eine Kamera oder – passend zum Standort auf der Neckarinsel – Schiffskajüte. Nach Ende der Bundesgartenschau am 6. Oktober 2019 ist auch das One Man House während des Winterhalbjahres geschlossen. Ab Sommer 2020 wird es wieder für Besucher geöffnet.

 

Deacon-Skulptur am Neckarufer

„Reef“ ist die neueste Außenskulptur des britischen Bildhauers und Ernst Franz Vogelmann-Preisträgers Richard Deacon. Seit dem 24. Mai steht die eigenwillige Formation aus Edelstahl am Neckarufer nahe der Anlagestelle gegenüber dem Marra-Haus und in Sichtweite vom One Man House des weiteren Vogelmann-Preisträgers Thomas Schütte. Ein äußerst passender Standort für ein Werk, das bereits in Planung war, bevor die Aufstellungsfläche überhaupt feststand. Umso eindrucksvoller wie sich das Werk in die Situation einfügt und damit seinen Bezug zum Wasser, zum Neckar manifestiert. Schon der Titel „Reef“, zu Deutsch „Riff“, stellt diese Nähe her. Die großvolumige Wellenformation spricht für sich selbst.

 

„Wie es Euch gefällt“ nur noch im Museum im Deutschhof

Die Städtischen Museen zeigen Ankäufe und Schenkungen seit 2004. In Anspielung auf die berühmte Shakespeare-Komödie werden erstmals fast alle der seit 2004 getätigten Ankäufe und Schenkungen an die Städtische Kunstsammlung präsentiert. Dabei werden zwei Schwerpunkte verfolgt: Die Skulptur und Plastik sowie Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts im deutschen Südwesten. Vertieft wurde das Sammlungsgebiet Bildhauerei durch Ankäufe repräsentativer Skulpturen und Plastiken der Klassischen und Nachkriegsmoderne u.a. von Emy Roeder (1890-1971), Toni Stadler (1888-1982), Priska von Martin (1912-1982), Rudolf Hoflehner (1916-1995) und Thomas Lenk (1933-2014). Darunter sind auch Werke der bisherigen vier Ernst Franz Vogelmann-Preisträger Roman Signer (*1938), Franz Erhard Walther (*1939), Thomas Schütte (*1954) und Richard Deacon (*1949) sowie von Christiane Möbus (*1947) und Abraham David Christian (*1952).

Ferner wurden Werke von Künstlerinnen und Künstlern angekauft, die mit Heilbronn und der Region biografisch verbunden sind. Hierzu gehören Werkgruppen des heute kaum mehr bekannten Heilbronner Malers Karl Hartmann (1861-1927), der im vergangenen Jahr verstorbenen Hal Busse (1926-2018) und von Hans Schreiner (*1930) sowie Kunstwerke der Klassischen Moderne und der Stuttgarter Schule, etwa von Ida Kerkovius (1879-1970), Bruno Diemer (1924-1962), Adam Lude Döring (1925-2018) und Moritz Baumgartl (*1934).

Die Ausstellung „Wie es Euch gefällt“ ist bis zum 31.12.2019 nur noch im Städtischen Museum im Deutschhof zu sehen. In der Kunsthalle Vogelmann wird derzeit die Ausstellung Hans Purrmann, Kolorist der Moderne vorbereitet. Sie wird ab 19. 10.2019 dort zu sehen sein.